Hochwasser-Warnung — in 30 Minuten raus
Die Sirene heult, dein Viertel wird evakuiert. Was jetzt? Was mitnehmen, wohin und wie du dich vorbereitest.
Das Szenario
Samstagnachmittag. Es regnet seit drei Tagen. Dein Handy vibriert — NINA-Warnung: Hochwasser-Warnung Stufe 4 für dein Gebiet. Evakuierung empfohlen.
Du schaust aus dem Fenster: Die Straße steht noch nicht unter Wasser, aber der Fluss ist schon über die Ufer getreten. Die Feuerwehr fährt mit Lautsprechern durch die Straßen.
Du hast vielleicht 30 Minuten. Was machst du jetzt?
Die ersten 10 Minuten: Notfallrucksack und Dokumente
Wenn du einen Notfallrucksack hast
Genau dafür existiert er. Rucksack schnappen, Dokumente einpacken, raus.
Ein guter Notfallrucksack enthält alles, was du für 2–3 Tage außer Haus brauchst. Wenn du ihn schon gepackt hast, sparst du jetzt die entscheidenden Minuten.
Wenn du keinen Notfallrucksack hast
Dann jetzt schnell das Wichtigste zusammensuchen. Nimm einen großen Rucksack oder eine Reisetasche und pack in dieser Reihenfolge:
Absolut unverzichtbar (5 Minuten):
- Personalausweis / Reisepass
- Krankenversicherungskarte
- Bargeld
- Handy + Ladekabel + Powerbank
- Medikamente (verschreibungspflichtige!)
- Brille / Kontaktlinsen
- Autoschlüssel
Wenn noch Zeit ist (weitere 5 Minuten):
- Wechselkleidung (warm, wetterfest)
- Regenjacke
- Trinkwasser (mindestens 1 Liter pro Person)
- Snacks (Müsliriegel, Nüsse, Schokolade)
- Taschenlampe
- Erste-Hilfe-Set
- Ladekabel für alle Geräte
- Versicherungsunterlagen
- Mietvertrag / Grundbuchauszug
Dokumente schützen
Papier und Wasser vertragen sich nicht. Eine wasserdichte Dokumentenmappe gehört zur Grundausstattung. Alternativ: Zip-Beutel oder Gefrierbeutel. Die wichtigsten Dokumente am besten zusätzlich als Foto auf dem Handy speichern.
Minute 10–20: Wohnung sichern
Bevor du gehst
- Strom abschalten — Hauptsicherung raus! Wasser + Strom = Lebensgefahr
- Gas abstellen — Haupthahn zudrehen
- Fenster und Türen schließen (nicht verriegeln — Rettungskräfte müssen rein können)
- Wertgegenstände nach oben bringen — alles was im Erdgeschoss oder Keller steht, in höhere Stockwerke räumen (wenn Zeit)
- Fotos machen — von der Wohnung und dem Inventar, für die Versicherung später
Was man NICHT tun sollte
- Nicht den Keller auspumpen während das Wasser steigt — der Außendruck kann die Kellerwände eindrücken
- Nicht durch fließendes Wasser waten wenn es tiefer als kniehoch ist — Strömung wird unterschätzt
- Nicht mit dem Auto durch überflutete Straßen fahren — 15 cm Wasser reichen, um die Kontrolle zu verlieren. Schon 30 cm können ein Auto wegschwemmen
Minute 20–30: Raus
Mit dem Auto
- Frühzeitig losfahren — Straßen werden schnell gesperrt oder unpassierbar
- Route auf höher gelegenes Gebiet planen — nicht entlang von Flüssen oder durch Senken
- Tank sollte mindestens halbvoll sein — bei Evakuierung gibt es keine offenen Tankstellen
- Radio einschalten — Verkehrsinfo und Behördendurchsagen
Zu Fuß
- Festes Schuhwerk — Gummistiefel oder wasserdichte Wanderschuhe
- Nicht durch strömendes Wasser laufen — schon 20 cm Strömung können dich umwerfen
- Höher gelegene Route wählen — auch wenn es ein Umweg ist
- Gruppe bleiben — nicht alleine losziehen, auf Nachbarn achten
Wohin?
- Offizielle Notunterkünfte — werden über NINA, Radio und Lautsprecherdurchsagen bekannt gegeben
- Verwandte/Freunde auf höher gelegenem Gebiet
- Hotels in sicheren Stadtteilen (Bargeld mitnehmen!)
Mit Familie und Haustieren
Kinder
- Ruhig bleiben — Kinder spüren Panik sofort
- Kuscheltier oder Lieblingsspielzeug mitnehmen — gibt Sicherheit
- Kinder nie alleine lassen, auch nicht kurz
- Regenkleidung und warme Sachen anziehen
Haustiere
- Transportbox für Katzen (vorher bereitstellen!)
- Hund an die Leine — Stresssituationen machen Tiere unberechenbar
- Futter für 3 Tage mitnehmen
- Impfpass einpacken — wird in Notunterkünften manchmal verlangt
- Notunterkünfte erlauben nicht immer Tiere — vorher klären, Alternativen planen
Ältere oder pflegebedürftige Familienmitglieder
- Medikamentenvorrat (mindestens 1 Woche)
- Hilfsmittel nicht vergessen (Gehstock, Rollator, Hörgeräte + Batterien)
- Frühzeitig informieren und abholen — nicht warten bis es eilig wird
- Nachbarn informieren, die allein lebende ältere Menschen kennen
Vorbereitung: Bevor das Wasser kommt
Die beste Vorbereitung passiert nicht in 30 Minuten, sondern Wochen und Monate vorher.
Notfallrucksack packen
Ein gepackter Notfallrucksack ist die wichtigste Vorbereitung für jede Evakuierung. Einmal packen, regelmäßig prüfen (Medikamente, Batterien), griffbereit aufbewahren.
Hochwasser-Risiko kennen
- Hochwassergefahrenkarten deines Bundeslandes prüfen — dort siehst du, ob dein Gebiet gefährdet ist
- Pegel-Apps installieren (z.B. „Meine Pegel") — damit siehst du steigende Wasserstände in Echtzeit
- NINA-App installieren und für deinen Wohnort aktivieren
Versicherung prüfen
Eine Elementarschadenversicherung deckt Schäden durch Hochwasser, Starkregen und Überschwemmung. Prüfe jetzt, ob du eine hast — nicht erst wenn das Wasser kommt. Die Versicherung zahlt nur, wenn der Vertrag vor dem Schadensereignis abgeschlossen wurde.
Checkliste: Hochwasser-Vorbereitung
Immer griffbereit:
- Notfallrucksack (gepackt und geprüft)
- Dokumentenmappe (wasserdicht)
- Powerbank (immer geladen)
- Bargeld (200 €, kleine Scheine)
- Taschenlampe
Vorsorge:
- NINA-App installiert und konfiguriert
- Pegel-App installiert
- Elementarschadenversicherung geprüft
- Evakuierungsroute besprochen (Familie)
- Treffpunkt vereinbart (falls Handynetz ausfällt)
- Nachbarn kennen (wer braucht Hilfe?)
Im Haus:
- Sandsäcke / Wasserschutzschläuche (wenn Hochwassergebiet)
- Rückstauklappe im Keller (gegen Kanalrückstau)
- Heizöltank gesichert (Aufschwimmschutz)
- Wertgegenstände nicht im Keller lagern
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