3 Tage kein Leitungswasser — was tun?
Rohrbruch, Kontaminierung oder Hochwasser — plötzlich kommt kein Wasser mehr aus dem Hahn. Wie du 3 Tage ohne Leitungswasser überbrückst.
Das Szenario
Montagmorgen. Du drehst den Wasserhahn auf — nichts. Kein Tropfen. Du prüfst das Bad: auch nichts. Toilette: Spülkasten leer.
Dein Handy zeigt eine Meldung der Stadtwerke: Großflächiger Rohrbruch in der Hauptleitung. Wasserversorgung im Stadtgebiet Nord voraussichtlich für 2–3 Tage unterbrochen.
Du hast gerade eine Tasse Kaffee getrunken. Im Kühlschrank steht eine halbvolle Wasserflasche. Sonst: nichts vorbereitet.
Was jetzt?
Die ersten 2 Stunden
Wasser sichern — sofort
Bevor alle anderen auf die gleiche Idee kommen:
- Badewanne voll laufen lassen — Moment, es kommt ja kein Wasser mehr. Zu spät. Das ist der Punkt: Bei einer Warnung sofort handeln, nicht erst wenn der Hahn schon trocken ist
- Alle Behälter füllen, falls noch Restdruck in der Leitung ist — Töpfe, Kanister, Eimer, Flaschen
- Wasservorräte sammeln — was hast du da? Mineralwasser, Saft, Sprudel? Alles zählt
- Heißwasserspeicher — dein Boiler enthält 80–200 Liter warmes Wasser! Am Ablasshahn unten kannst du es abzapfen (Vorsicht, heiß)
Einkaufen — schnell
Wenn du keinen Vorrat hast, fahr zum Supermarkt. Aber beeil dich — Wasser ist in solchen Situationen das Erste, was ausverkauft ist.
Kaufen:
- Stilles Wasser (6-Liter-Packs)
- Babywasser (wenn noch da — ist garantiert keimfrei)
- Saft und andere Getränke als Backup
Tipp: Getränkemärkte haben größere Lagerbestände als Supermärkte.
Tag 1: Wasserhaushalt organisieren
Trinken: 2 Liter pro Person
Dein Körper braucht mindestens 2 Liter Flüssigkeit am Tag — mehr bei körperlicher Anstrengung oder Hitze. Das ist die höchste Priorität.
Nicht am Trinken sparen. Dehydrierung macht sich schnell bemerkbar: Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsprobleme. Besonders gefährlich für Kinder und ältere Menschen.
Kochen: Wasser ist überall nötig
Reis, Nudeln, Suppe — fast alles braucht Wasser. Mit einem Campingkocher und gespartem Wasser kochst du einfache Mahlzeiten:
- Konserven brauchen kein Wasser (Ravioli, Eintopf, Bohnen)
- Instant-Nudeln brauchen nur 300–400 ml
- Haferflocken mit wenig Wasser oder Milch anrühren
Mehr Tipps im Ratgeber Kochen ohne Strom.
Hygiene: Weniger ist mehr
Duschen fällt aus. Zähneputzen fällt aus. Toilettenspülung fällt aus. Willkommen im Krisenmodus.
Körperhygiene:
- Feuchttücher statt Duschen (einen Vorrat an Feuchttüchern zu Hause haben!)
- Handdesinfektionsmittel statt Händewaschen
- Trockenshampoo statt Haarewaschen
Toilette:
- Brauchwasser (Regenwasser, Badewannenwasser) zum Nachspülen
- Kein Brauchwasser? Müllbeutel in die Schüssel, Katzenstreu oder Sägespäne zum Binden
- Müllbeutel verschließen und sammeln — nicht in den Hausmüll, sondern gesondert entsorgen
Geschirr:
- Möglichst wenig Geschirr benutzen (Einwegteller, aus dem Topf essen)
- Schmutziges Geschirr mit Feuchttüchern abwischen
Tag 2 und 3: Durchhalten
Wasservorrat kalkulieren
Rechne mal durch: Wie viele Personen im Haushalt? Wie viel Wasser hast du noch?
Beispiel: 2-Personen-Haushalt, 3 Tage
- Trinken: 2 × 2L × 3 Tage = 12 Liter
- Kochen: 2 × 0,5L × 3 Tage = 3 Liter
- Hygiene: minimal = 2 Liter
- Summe: mindestens 17 Liter
Das sind nicht mal drei 6er-Packs Mineralwasser. Eigentlich nicht viel — wenn man es vorher gekauft hat.
Wasser finden und aufbereiten
Wenn der Vorrat knapp wird:
Wasserfilter sind dein bester Freund. Ein guter Hohlfaser-Filter (wie der Sawyer MINI) filtert 99,99% aller Bakterien und Protozoen. Damit kannst du:
- Regenwasser trinkbar machen
- Bachwasser oder Flusswasser filtern
- Teichwasser im Notfall nutzen
Wichtig: Wasserfilter entfernen keine Chemikalien oder Viren. Bei Verdacht auf chemische Kontamination hilft nur abgepacktes Wasser.
Wasser abkochen — tötet Bakterien und Viren, aber keine Chemikalien:
- Mindestens 3 Minuten sprudelnd kochen lassen
- Danach abkühlen lassen und in saubere Behälter füllen
Wasserausgabestellen
Bei längerem Ausfall richten die Stadtwerke oder das THW Wasserausgabestellen ein. Infos darüber kommen über:
- NINA / KATWARN
- Radio (UKW/DAB+ — deshalb ist ein Kurbelradio so wichtig)
- Aushänge an Supermärkten und öffentlichen Gebäuden
- Lautsprecherdurchsagen
Kanister mitnehmen! An den Ausgabestellen gibt es Wasser, aber nicht immer Behälter.
Vorbereitung: Wasservorrat anlegen
Die beste Vorbereitung kostet fast nichts und braucht nur etwas Platz.
Wie viel Vorrat?
Das BBK empfiehlt: 2 Liter pro Person pro Tag, für 10 Tage = 20 Liter pro Person.
Für eine 2-Personen-Haushalt sind das 40 Liter — also etwa sieben 6er-Packs stilles Wasser. Das passt in einen Schrank oder eine Ecke im Keller.
Was lagern?
- Stilles Mineralwasser in PET-Flaschen — hält 1–2 Jahre, auf MHD achten
- Leitungswasser in Kanistern — hält ca. 6 Monate (dunkel, kühl, sauber)
- Spezielle Wasserkanister mit Hahn (10–20 Liter) — praktisch für den täglichen Gebrauch
Tipp: Wasser regelmäßig rotieren — altes Wasser zum Blumengießen nutzen, neues kaufen. So wird es nie schlecht.
Wasserfilter als Backup
Ein Wasserfilter macht dich unabhängig von Wasservorräten. Die besten Optionen:
- Sawyer MINI — filtert bis zu 380.000 Liter, nur 56g leicht, passt in jeden Rucksack
- LifeStraw Personal — direktes Trinken aus Gewässern, 4.000 Liter Kapazität
- Katadyn BeFree — schnellster Durchfluss, praktische Faltflasche
Mehr Details und Vergleich auf unserer Seite Wasserfilter.
Checkliste: Wasservorsorge
Vorrat:
- Trinkwasservorrat (2L × Personen × 10 Tage)
- Wasserkanister mit Hahn (10–20 Liter)
- MHD-Datum im Kalender notieren (rotieren!)
Aufbereitung:
- Wasserfilter (Sawyer MINI oder vergleichbar)
- Campingkocher (zum Abkochen)
- Wasserentkeimungstabletten (als Backup)
Hygiene ohne Wasser:
- Feuchttücher (großer Vorrat)
- Handdesinfektionsmittel
- Müllbeutel (für Notfall-Toilette)
- Katzenstreu oder Sägespäne
Information:
- Kurbelradio (für Wasserausgabestellen-Infos)
- NINA-App installiert
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