Kommunikation ohne Internet

So bleibst du im Krisenfall erreichbar — Kurbelradio, PMR-Funk, MeshCore und andere Optionen.

Warum Kommunikation planen?

Bei einem großflächigen Stromausfall oder einer Katastrophe fallen Internet und Mobilfunk innerhalb weniger Stunden aus. Dann brauchst du Alternativen, um:

  • Informationen zu empfangen (Behörden-Durchsagen)
  • Familie zu erreichen (Treffpunkte, Statusmeldungen)
  • Nachbarn zu koordinieren (gegenseitige Hilfe)

Option 1: Kurbelradio (Pflicht!)

Ein Kurbelradio ist die wichtigste Anschaffung. Im Katastrophenfall senden Behörden über UKW und DAB+ aktuelle Informationen und Handlungsanweisungen.

Worauf achten:

  • DAB+ Empfang (moderne Sender)
  • Mehrere Ladequellen: Kurbel + Solar + USB
  • Powerbank-Funktion (Handy laden)
  • Eingebaute Taschenlampe

Option 2: PMR-Funk — Sprache auf kurze Distanz

PMR446 ist der “Jedermansfunk” — lizenzfrei, günstig, sofort einsatzbereit:

  • Reichweite: 1–5 km (Stadt), bis 10 km (freie Sicht)
  • Lizenzfrei — einfach kaufen und benutzen
  • Kosten: Ab ~40 € pro Paar
  • Batteriebetrieb — AA-Batterien oder Akkus

Tipp: Vereinbare vorher mit deiner Familie einen PMR-Kanal und feste Sendezeiten (z.B. jede volle Stunde auf Kanal 8).

Option 3: CB-Funk — Sprache auf große Distanz

CB-Funk (Citizens Band) nutzt niedrigere Frequenzen mit mehr Sendeleistung. Seit 2003 in Deutschland anmeldefrei:

  • Reichweite: 5–30 km (mit guter Antenne)
  • Lizenzfrei — seit 2003, keine Anmeldung nötig
  • 80 FM-Kanäle in Deutschland (Kanal 1–40 auch in AM und SSB), Notkanal 9
  • Braucht externe Antenne — ideal fürs Auto oder als Feststation
  • 12V Betrieb — Autobatterie oder Powerstation

Tipp: CB-Funk ist besonders im ländlichen Raum sinnvoll, wo die Distanzen größer sind. Notrufkanal 9 wird auch von Hilfsorganisationen überwacht.

Option 4: Amateurfunk — Das Rückgrat der Notfallkommunikation

Amateurfunk ist das leistungsstärkste Kommunikationsmittel im Katastrophenfall. In jeder großen Krise weltweit waren es Funkamateure, die als Erste wieder kommunizieren konnten — komplett unabhängig von Internet, Mobilfunk und Stromnetz.

  • Reichweite: Regional (UKW, 50–500 km) bis weltweit (Kurzwelle)
  • Unabhängig von jeder Infrastruktur — Strom kommt aus Akku oder Solar
  • Lizenzpflichtig — du brauchst eine Amateurfunkprüfung
  • Kosten: Einsteigergerät ab ~30 € (Handfunke)

Neu seit 2024: Klasse N — der einfachste Einstieg

Seit Juni 2024 gibt es die neue Einsteigerklasse N. Sie macht den Einstieg in den Amateurfunk so einfach wie nie:

  • 3 Bänder: 10 m, 2 m und 70 cm
  • Sendeleistung: bis 10 Watt ERP (10 m) bzw. 6,1 Watt ERP (2 m / 70 cm)
  • Prüfung: 3 × 25 Fragen (Vorschriften, Betrieb, Technik) — deutlich weniger Stoff als Klasse E
  • Lernaufwand: Wenige Wochen Selbststudium reichen
  • Aufstockung möglich: Du kannst jederzeit auf Klasse E oder A erweitern

Zum Vergleich: Klasse E erlaubt höhere Leistungen (75 W) und mehr Bänder, erfordert aber deutlich mehr Technikwissen. Klasse N reicht für den Notfunk vollkommen aus.

Amateurfunk und Notfunk

Der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) organisiert in ganz Deutschland Notfunkgruppen, die im Katastrophenfall die Behörden unterstützen. Funkamateure stellen Kommunikationsverbindungen her, wenn alle anderen Systeme ausgefallen sind — per Sprache, Daten und sogar Bildübertragung.

So fängst du an:

  1. Kostenlos lernen auf 50ohm.de — die Lernplattform für die Amateurfunkprüfung
  2. Prüfung ablegen bei der Bundesnetzagentur (Klasse N reicht für den Anfang)
  3. Handfunkgerät kaufen für 2 m / 70 cm (ab ~30 €)
  4. Notfunkgruppe finden beim DARC Referat Notfunk — regelmäßige Übungen in deiner Region

Option 5: MeshCore — Verschlüsselte Textnachrichten

MeshCore ist die modernste Option: verschlüsselte Textnachrichten per LoRa-Funk, ohne jede Infrastruktur:

  • Reichweite: 1–15 km direkt, theoretisch unbegrenzt per Mesh
  • Komplett dezentral — kein Server, kein Internet
  • Ende-zu-Ende verschlüsselt (AES-256)
  • Geräte ab ~25 €
  • Extrem stromsparend — tagelang mit kleiner Powerbank

Das Besondere: Jedes MeshCore-Gerät ist gleichzeitig ein Repeater. Nachrichten werden automatisch von Gerät zu Gerät weitergeleitet, bis sie den Empfänger erreichen. In vielen Regionen gibt es bereits Repeater-Stationen, die die Reichweite vervielfachen.

In mehreren Regionen Deutschlands betreiben lokale Gruppen offene Mesh-Netze und veröffentlichen Anleitungen sowie Hardware-Empfehlungen. Eine Suche nach dem Namen der eigenen Region zusammen mit "Meshtastic" oder "MeshCore" führt in der Regel zur nächstgelegenen Gruppe.

Alle Funkgeräte im Detail: Funkgeräte Vergleich

Kommunikationsplan erstellen

Erstelle jetzt einen Plan und bespreche ihn mit deiner Familie:

  • Treffpunkt 1: Naher Ort (z.B. Schule im Stadtteil)
  • Treffpunkt 2: Entfernter Ort (falls Stadtteil nicht erreichbar)
  • Kontaktliste auf Papier — Telefonnummern von Familie, Freunden, Arbeitgeber
  • Funkkanal vereinbaren (wenn PMR-Geräte vorhanden)
  • Sendezeiten festlegen (z.B. jede volle Stunde)

* Affiliate-Links: Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts.

Was zuerst ausfällt — und in welcher Reihenfolge

Netze fallen nicht gleichzeitig aus. Wer die Reihenfolge kennt, weiß, welches Mittel in welcher Stunde noch trägt.

Zuerst die Überlastung, noch vor dem eigentlichen Ausfall. Sobald in einer Region etwas passiert, telefonieren alle gleichzeitig. Die Funkzelle hat aber nur eine begrenzte Zahl gleichzeitiger Sprachkanäle. Das Ergebnis: Freizeichen, dann Abbruch. Eine SMS braucht dagegen nur wenige Zehntelsekunden Funkzeit und wird zwischengespeichert, wenn sie nicht sofort zustellbar ist. Sie kommt oft noch durch, wenn Telefonate längst scheitern — manchmal mit Verzögerung. Deshalb gilt in den ersten Minuten: kurze Textnachricht statt Anruf.

Dann der eigene Hausanschluss. Telefonie läuft heute über den Router. Fällt der Strom in der Wohnung aus, ist das Festnetz sofort tot — auch bei Glasfaser, denn das Endgerät an der Wand braucht ebenfalls Strom. Ein Festnetztelefon ist bei Stromausfall kein Rückfallweg mehr.

Danach der Mobilfunk. Die Standorte haben Batteriepufferung, aber sie ist ungleich verteilt. Große Standorte und Kernnetzknoten sind deutlich besser abgesichert als kleine Stadtzellen, die nur ein Wohnquartier versorgen. In der Praxis heißt das: Der Empfang wird löchrig, bevor er verschwindet. Einzelne Zellen bleiben länger, andere sind früh weg. Wenn dein Handy gar kein Netz mehr findet, sucht es trotzdem ununterbrochen weiter und verbraucht dabei am meisten Akku. Schalte es dann in den Flugmodus und prüfe nur zu festen Zeiten.

Am längsten hält der Rundfunk. Sendeanlagen für UKW und DAB+ gehören zur Notfallvorsorge und sind entsprechend abgesichert. Ein Empfänger braucht keine Rückverbindung — deshalb ist das Radio der letzte verlässliche Informationsweg. Das Autoradio zählt mit, solange du den Motor nicht dauerhaft laufen lässt.

Cell Broadcast: die Warnung, die ohne App ankommt

Seit Februar 2023 ist Cell Broadcast in Deutschland Teil des amtlichen Warnsystems. Der Unterschied zu einer Warn-App: Die Nachricht wird nicht an einzelne Empfänger geschickt, sondern von der Funkzelle an alle Geräte in ihrem Bereich ausgestrahlt. Es braucht keine App, keine Anmeldung und keine mobilen Daten. Auch ein überlastetes Netz bremst sie kaum, weil kein Rückkanal nötig ist.

Zwei Einschränkungen solltest du kennen. Erstens: Die Funkzelle muss senden. Ist der Standort ohne Strom, kommt auch keine Warnung mehr an — Cell Broadcast ersetzt keine Reserve, es verschafft dir Vorlauf. Zweitens: Die höchste Warnstufe klingelt auch im Stumm-Modus, niedrigere Stufen lassen sich in den Einstellungen abschalten. Prüfe einmal, ob bei dir alle Stufen aktiv sind. Am bundesweiten Warntag im September kannst du kostenlos testen, ob dein Gerät die Meldung tatsächlich anzeigt.

Funk ohne Prüfung: was die drei Dienste wirklich leisten

Für PMR446, Freenet und CB gilt eine Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur. Du darfst zugelassene Geräte ohne Anmeldung und ohne Prüfung betreiben — solange du nichts am Gerät veränderst. Leistung erhöhen, Frequenzbereich erweitern oder bei PMR eine andere Antenne anschließen, macht den Betrieb unzulässig. Geräte aus Übersee sind hier oft nicht verkehrsfähig.

Zu den Reichweiten: Die Zahlen auf der Verpackung gelten für Sichtverbindung zwischen zwei Bergkuppen. Entscheidend ist nicht die Wattzahl, sondern was zwischen den Antennen steht.

PMR446 arbeitet auf 446 MHz mit 500 mW und fest verbauter Antenne, 16 analoge Kanäle. Realistisch sind innerhalb eines Wohnblocks mit Stahlbeton 100 bis 300 Meter, über Straßenzüge in bebautem Gebiet 500 Meter bis gut einen Kilometer. Über freies Feld oder vom Hochhaus zum Hochhaus werden mehrere Kilometer daraus. Für Haus, Straße und Nachbarschaft ist das passend — für den Kontakt in den nächsten Ort nicht.

Freenet nutzt sechs Kanäle im Bereich um 149 MHz und ist eine deutsche Besonderheit. Auch hier 500 mW, aber die tiefere Frequenz kommt besser um Hindernisse herum, und anders als bei PMR sind externe Antennen erlaubt. Mit einer Magnetfußantenne auf dem Autodach sind über Land mehrere Kilometer stabil erreichbar. Der Preis dafür: weniger Kanäle, weniger verbreitete Geräte, und im Ausland darfst du nicht senden.

CB-Funk liegt bei 27 MHz. In Deutschland stehen 80 FM-Kanäle zur Verfügung, in AM und SSB nur ein Teil davon. Die höhere Leistung nützt wenig ohne passende Antenne — bei 27 MHz ist eine abgestimmte Wellenlänge lang, und kurze Handfunkantennen strahlen entsprechend schlecht ab. Eine Fahrzeugantenne ab etwa einem Meter ist die untere sinnvolle Grenze. Dafür ist CB der einzige der drei Dienste, auf dem du auch außerhalb der eigenen Nachbarschaft zufällig jemanden erreichst.

Eine gemeinsame Schwäche aller drei: Du sendest im Klartext. Jeder mit einem Gerät auf demselben Kanal hört mit. Sprich keine Adressen, keine Abwesenheiten und keine Vorratslage über Funk. Welche Bauformen und Zubehörteile zusammenpassen, steht im Funkgeräte-Vergleich.

Mesh-Textnetze auf 868 MHz

Meshtastic und MeshCore sind keine Sprechfunkgeräte, sondern Textnetze. In Europa laufen sie im lizenzfreien SRD-Band um 868 MHz mit sehr geringer Sendeleistung — typisch 25 mW ERP. Dass trotzdem Kilometer überbrückt werden, liegt an der LoRa-Modulation: Sie überträgt extrem langsam und kommt dafür mit Signalen unterhalb des Rauschens aus. Eine Nachricht braucht Sekunden, nicht Millisekunden.

Daraus folgt die wichtigste Regel: Das Band hat eine gesetzliche Sendezeitbegrenzung. In den relevanten Unterbändern darf ein Gerät nur einen kleinen Prozentsatz der Zeit senden. Die gängigen Firmware-Einstellungen halten das ein — wer sie auf höhere Leistung oder kürzere Pausen verstellt, verlässt die Allgemeinzuteilung. Praktisch bedeutet die Grenze auch: Ein Mesh mit vielen aktiven Knoten wird langsam, weil jeder Knoten fremde Nachrichten weiterreicht. Mesh-Netze sind für kurze Statusmeldungen gebaut, nicht für Gespräche.

Der Stromverbrauch ist der eigentliche Vorteil. Ein Knoten zieht im Ruhezustand so wenig, dass eine Powerbank ihn tagelang trägt und ein kleines Solarpanel ihn dauerhaft versorgt — passende Kapazitäten findest du unter Powerbanks und Solarladegeräten. Entscheidend für die Reichweite ist die Höhe der Antenne, nicht das Gerät: Ein Knoten auf dem Dachboden schlägt jeden in der Schublade.

Und die Grenze: Ein Mesh nützt nur, wenn die Gegenseite ebenfalls eines hat. Zwei Geräte allein sind ein Paar Textfunkgeräte, kein Netz. Sinnvoll wird es ab einer Handvoll Beteiligter in der Nachbarschaft, die vorher eingerichtet und getestet wurden.

Amateurfunk: was die Lizenz erlaubt und was nicht

Zur Einordnung, ergänzend zu den Klassen oben: Die Zulassung ist personengebunden. Nur wer selbst geprüft ist, darf senden — Familienmitglieder dürfen das Gerät nicht in Abwesenheit benutzen. Amateurfunk ist außerdem ein Selbstzweckdienst: Nachrichten für Dritte oder geschäftliche Inhalte zu übermitteln, ist im Normalbetrieb nicht vorgesehen. Not- und Katastrophenfälle sind davon ausgenommen. Verschlüsselte oder absichtlich verschleierte Aussendungen sind unzulässig.

Zuhören darfst du ohne Lizenz. Ein Empfänger für die Amateurfunkbänder ist anmeldefrei und zeigt dir im Ernstfall, ob und wo Notfunkverkehr läuft. Für Behörden- und Betriebsfunk gilt das nicht — deren Verkehr ist nicht für die Allgemeinheit bestimmt und darf weder abgehört noch weitergegeben werden.

Den Plan belastbar machen

Ein Plan, der nur besprochen wurde, ist keiner. Drei Ergänzungen machen aus der Absprache ein Verfahren:

  • Ein Kontakt außerhalb der Region. Wenn lokal nichts geht, funktioniert oft noch eine Verbindung nach außen. Alle melden sich bei derselben Person in einer anderen Stadt, die den Stand sammelt. So braucht ihr nicht jeder mit jedem eine Verbindung, sondern nur jeder eine.
  • Feste Zeitfenster statt Dauerbereitschaft. Funkgeräte und Handys nur zur vollen Stunde für fünf Minuten einschalten. Das spart Akku und verhindert, dass alle gleichzeitig senden.
  • Geschrieben, nicht gespeichert. Nummern, Treffpunkte und Kanäle auf ein Blatt, eine Kopie in jede Tasche. Dazu die Regelungen von Schule und Kita: Wer darf abholen, wie lange wird betreut, wo wird hin ausgewichen. Das klärt man vorher in fünf Minuten, im Ernstfall gar nicht mehr.

Plane den Abgleich am besten zusammen mit der Blackout-Checkliste — einmal im Jahr Nummern prüfen, Batterien tauschen, Geräte kurz einschalten.

Der erste Test kostet eine Stunde

Nimm dir einen Samstagvormittag. Stelle das Radio auf den regionalen Sender und notiere die Frequenz auf dem Merkblatt. Lade alle Akkus und schreibe auf, wie lange sie tatsächlich gehalten haben. Geh mit dem Funkgerät einmal die Strecke ab, die im Ernstfall zählt — zur Schule, zu den Eltern, zum Treffpunkt — und markiere auf einer Papierkarte, wo die Verbindung abreißt. Diese Karte ist am Ende mehr wert als jede Reichweitenangabe auf der Verpackung. Wie schnell aus einem lokalen Ausfall eine Lage über mehrere Tage wird, zeigt der Rückblick auf den Blackout in der Großstadt.

Was zuerst ausfällt — und in welcher Reihenfolge

Netze fallen nicht gleichzeitig aus. Wer die Reihenfolge kennt, weiß, welches Mittel in welcher Stunde noch trägt.

Zuerst die Überlastung, noch vor dem eigentlichen Ausfall. Sobald in einer Region etwas passiert, telefonieren alle gleichzeitig. Die Funkzelle hat aber nur eine begrenzte Zahl gleichzeitiger Sprachkanäle. Das Ergebnis: Freizeichen, dann Abbruch. Eine SMS braucht dagegen nur wenige Zehntelsekunden Funkzeit und wird zwischengespeichert, wenn sie nicht sofort zustellbar ist. Sie kommt oft noch durch, wenn Telefonate längst scheitern — manchmal mit Verzögerung. Deshalb gilt in den ersten Minuten: kurze Textnachricht statt Anruf.

Dann der eigene Hausanschluss. Telefonie läuft heute über den Router. Fällt der Strom in der Wohnung aus, ist das Festnetz sofort tot — auch bei Glasfaser, denn das Endgerät an der Wand braucht ebenfalls Strom. Ein Festnetztelefon ist bei Stromausfall kein Rückfallweg mehr.

Danach der Mobilfunk. Die Standorte haben Batteriepufferung, aber sie ist ungleich verteilt. Große Standorte und Kernnetzknoten sind deutlich besser abgesichert als kleine Stadtzellen, die nur ein Wohnquartier versorgen. In der Praxis heißt das: Der Empfang wird löchrig, bevor er verschwindet. Einzelne Zellen bleiben länger, andere sind früh weg. Wenn dein Handy gar kein Netz mehr findet, sucht es trotzdem ununterbrochen weiter und verbraucht dabei am meisten Akku. Schalte es dann in den Flugmodus und prüfe nur zu festen Zeiten.

Am längsten hält der Rundfunk. Sendeanlagen für UKW und DAB+ gehören zur Notfallvorsorge und sind entsprechend abgesichert. Ein Empfänger braucht keine Rückverbindung — deshalb ist das Radio der letzte verlässliche Informationsweg. Das Autoradio zählt mit, solange du den Motor nicht dauerhaft laufen lässt.

Cell Broadcast: die Warnung, die ohne App ankommt

Seit Februar 2023 ist Cell Broadcast in Deutschland Teil des amtlichen Warnsystems. Der Unterschied zu einer Warn-App: Die Nachricht wird nicht an einzelne Empfänger geschickt, sondern von der Funkzelle an alle Geräte in ihrem Bereich ausgestrahlt. Es braucht keine App, keine Anmeldung und keine mobilen Daten. Auch ein überlastetes Netz bremst sie kaum, weil kein Rückkanal nötig ist.

Zwei Einschränkungen solltest du kennen. Erstens: Die Funkzelle muss senden. Ist der Standort ohne Strom, kommt auch keine Warnung mehr an — Cell Broadcast ersetzt keine Reserve, es verschafft dir Vorlauf. Zweitens: Die höchste Warnstufe klingelt auch im Stumm-Modus, niedrigere Stufen lassen sich in den Einstellungen abschalten. Prüfe einmal, ob bei dir alle Stufen aktiv sind. Am bundesweiten Warntag im September kannst du kostenlos testen, ob dein Gerät die Meldung tatsächlich anzeigt.

Funk ohne Prüfung: was die drei Dienste wirklich leisten

Für PMR446, Freenet und CB gilt eine Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur. Du darfst zugelassene Geräte ohne Anmeldung und ohne Prüfung betreiben — solange du nichts am Gerät veränderst. Leistung erhöhen, Frequenzbereich erweitern oder bei PMR eine andere Antenne anschließen, macht den Betrieb unzulässig. Geräte aus Übersee sind hier oft nicht verkehrsfähig.

Zu den Reichweiten: Die Zahlen auf der Verpackung gelten für Sichtverbindung zwischen zwei Bergkuppen. Entscheidend ist nicht die Wattzahl, sondern was zwischen den Antennen steht.

PMR446 arbeitet auf 446 MHz mit 500 mW und fest verbauter Antenne, 16 analoge Kanäle. Realistisch sind innerhalb eines Wohnblocks mit Stahlbeton 100 bis 300 Meter, über Straßenzüge in bebautem Gebiet 500 Meter bis gut einen Kilometer. Über freies Feld oder vom Hochhaus zum Hochhaus werden mehrere Kilometer daraus. Für Haus, Straße und Nachbarschaft ist das passend — für den Kontakt in den nächsten Ort nicht.

Freenet nutzt sechs Kanäle im Bereich um 149 MHz und ist eine deutsche Besonderheit. Auch hier 500 mW, aber die tiefere Frequenz kommt besser um Hindernisse herum, und anders als bei PMR sind externe Antennen erlaubt. Mit einer Magnetfußantenne auf dem Autodach sind über Land mehrere Kilometer stabil erreichbar. Der Preis dafür: weniger Kanäle, weniger verbreitete Geräte, und im Ausland darfst du nicht senden.

CB-Funk liegt bei 27 MHz. In Deutschland stehen 80 FM-Kanäle zur Verfügung, in AM und SSB nur ein Teil davon. Die höhere Leistung nützt wenig ohne passende Antenne — bei 27 MHz ist eine abgestimmte Wellenlänge lang, und kurze Handfunkantennen strahlen entsprechend schlecht ab. Eine Fahrzeugantenne ab etwa einem Meter ist die untere sinnvolle Grenze. Dafür ist CB der einzige der drei Dienste, auf dem du auch außerhalb der eigenen Nachbarschaft zufällig jemanden erreichst.

Eine gemeinsame Schwäche aller drei: Du sendest im Klartext. Jeder mit einem Gerät auf demselben Kanal hört mit. Sprich keine Adressen, keine Abwesenheiten und keine Vorratslage über Funk. Welche Bauformen und Zubehörteile zusammenpassen, steht im Funkgeräte-Vergleich.

Mesh-Textnetze auf 868 MHz

Meshtastic und MeshCore sind keine Sprechfunkgeräte, sondern Textnetze. In Europa laufen sie im lizenzfreien SRD-Band um 868 MHz mit sehr geringer Sendeleistung — typisch 25 mW ERP. Dass trotzdem Kilometer überbrückt werden, liegt an der LoRa-Modulation: Sie überträgt extrem langsam und kommt dafür mit Signalen unterhalb des Rauschens aus. Eine Nachricht braucht Sekunden, nicht Millisekunden.

Daraus folgt die wichtigste Regel: Das Band hat eine gesetzliche Sendezeitbegrenzung. In den relevanten Unterbändern darf ein Gerät nur einen kleinen Prozentsatz der Zeit senden. Die gängigen Firmware-Einstellungen halten das ein — wer sie auf höhere Leistung oder kürzere Pausen verstellt, verlässt die Allgemeinzuteilung. Praktisch bedeutet die Grenze auch: Ein Mesh mit vielen aktiven Knoten wird langsam, weil jeder Knoten fremde Nachrichten weiterreicht. Mesh-Netze sind für kurze Statusmeldungen gebaut, nicht für Gespräche.

Der Stromverbrauch ist der eigentliche Vorteil. Ein Knoten zieht im Ruhezustand so wenig, dass eine Powerbank ihn tagelang trägt und ein kleines Solarpanel ihn dauerhaft versorgt — passende Kapazitäten findest du unter Powerbanks und Solarladegeräten. Entscheidend für die Reichweite ist die Höhe der Antenne, nicht das Gerät: Ein Knoten auf dem Dachboden schlägt jeden in der Schublade.

Und die Grenze: Ein Mesh nützt nur, wenn die Gegenseite ebenfalls eines hat. Zwei Geräte allein sind ein Paar Textfunkgeräte, kein Netz. Sinnvoll wird es ab einer Handvoll Beteiligter in der Nachbarschaft, die vorher eingerichtet und getestet wurden.

Amateurfunk: was die Lizenz erlaubt und was nicht

Zur Einordnung, ergänzend zu den Klassen oben: Die Zulassung ist personengebunden. Nur wer selbst geprüft ist, darf senden — Familienmitglieder dürfen das Gerät nicht in Abwesenheit benutzen. Amateurfunk ist außerdem ein Selbstzweckdienst: Nachrichten für Dritte oder geschäftliche Inhalte zu übermitteln, ist im Normalbetrieb nicht vorgesehen. Not- und Katastrophenfälle sind davon ausgenommen. Verschlüsselte oder absichtlich verschleierte Aussendungen sind unzulässig.

Zuhören darfst du ohne Lizenz. Ein Empfänger für die Amateurfunkbänder ist anmeldefrei und zeigt dir im Ernstfall, ob und wo Notfunkverkehr läuft. Für Behörden- und Betriebsfunk gilt das nicht — deren Verkehr ist nicht für die Allgemeinheit bestimmt und darf weder abgehört noch weitergegeben werden.

Den Plan belastbar machen

Ein Plan, der nur besprochen wurde, ist keiner. Drei Ergänzungen machen aus der Absprache ein Verfahren:

  • Ein Kontakt außerhalb der Region. Wenn lokal nichts geht, funktioniert oft noch eine Verbindung nach außen. Alle melden sich bei derselben Person in einer anderen Stadt, die den Stand sammelt. So braucht ihr nicht jeder mit jedem eine Verbindung, sondern nur jeder eine.
  • Feste Zeitfenster statt Dauerbereitschaft. Funkgeräte und Handys nur zur vollen Stunde für fünf Minuten einschalten. Das spart Akku und verhindert, dass alle gleichzeitig senden.
  • Geschrieben, nicht gespeichert. Nummern, Treffpunkte und Kanäle auf ein Blatt, eine Kopie in jede Tasche. Dazu die Regelungen von Schule und Kita: Wer darf abholen, wie lange wird betreut, wo wird hin ausgewichen. Das klärt man vorher in fünf Minuten, im Ernstfall gar nicht mehr.

Plane den Abgleich am besten zusammen mit der Blackout-Checkliste — einmal im Jahr Nummern prüfen, Batterien tauschen, Geräte kurz einschalten.

Der erste Test kostet eine Stunde

Nimm dir einen Samstagvormittag. Stelle das Radio auf den regionalen Sender und notiere die Frequenz auf dem Merkblatt. Lade alle Akkus und schreibe auf, wie lange sie tatsächlich gehalten haben. Geh mit dem Funkgerät einmal die Strecke ab, die im Ernstfall zählt — zur Schule, zu den Eltern, zum Treffpunkt — und markiere auf einer Papierkarte, wo die Verbindung abreißt. Diese Karte ist am Ende mehr wert als jede Reichweitenangabe auf der Verpackung. Wie schnell aus einem lokalen Ausfall eine Lage über mehrere Tage wird, zeigt der Rückblick auf den Blackout in der Großstadt.

Häufige Fragen

Funktioniert mein Handy bei einem Blackout?
Mobilfunkmasten haben Notstrom-Akkus, die je nach Anbieter 2-8 Stunden halten. Danach bricht das Mobilfunknetz zusammen. Dein Handy funktioniert dann nur noch für gespeicherte Inhalte und als Taschenlampe.
Was sind PMR-Funkgeräte?
PMR446 ist ein lizenzfreier Funkdienst in Europa. Die Geräte kosten ab 30€ pro Paar und funktionieren ohne Infrastruktur auf Entfernungen von 1-5 km. Ideal für die Kommunikation innerhalb der Familie oder Nachbarschaft.
Was ist MeshCore?
MeshCore ist eine dezentrale Kommunikationsplattform, die per LoRa-Funk Nachrichten über weite Strecken senden kann — komplett ohne Internet, Mobilfunk oder Strom aus der Steckdose. Die Geräte kosten ab 25€.