Kommunikation ohne Internet

So bleibst du im Krisenfall erreichbar — Kurbelradio, PMR-Funk, MeshCore und andere Optionen.

Warum Kommunikation planen?

Bei einem großflächigen Stromausfall oder einer Katastrophe fallen Internet und Mobilfunk innerhalb weniger Stunden aus. Dann brauchst du Alternativen, um:

  • Informationen zu empfangen (Behörden-Durchsagen)
  • Familie zu erreichen (Treffpunkte, Statusmeldungen)
  • Nachbarn zu koordinieren (gegenseitige Hilfe)

Option 1: Kurbelradio (Pflicht!)

Ein Kurbelradio ist die wichtigste Anschaffung. Im Katastrophenfall senden Behörden über UKW und DAB+ aktuelle Informationen und Handlungsanweisungen.

Worauf achten:

  • DAB+ Empfang (moderne Sender)
  • Mehrere Ladequellen: Kurbel + Solar + USB
  • Powerbank-Funktion (Handy laden)
  • Eingebaute Taschenlampe

Option 2: PMR-Funk — Sprache auf kurze Distanz

PMR446 ist der “Jedermansfunk” — lizenzfrei, günstig, sofort einsatzbereit:

  • Reichweite: 1–5 km (Stadt), bis 10 km (freie Sicht)
  • Lizenzfrei — einfach kaufen und benutzen
  • Kosten: Ab ~40 € pro Paar
  • Batteriebetrieb — AA-Batterien oder Akkus

Tipp: Vereinbare vorher mit deiner Familie einen PMR-Kanal und feste Sendezeiten (z.B. jede volle Stunde auf Kanal 8).

Option 3: CB-Funk — Sprache auf große Distanz

CB-Funk (Citizens Band) nutzt niedrigere Frequenzen mit mehr Sendeleistung. Seit 2003 in Deutschland anmeldefrei:

  • Reichweite: 5–30 km (mit guter Antenne)
  • Lizenzfrei — seit 2003, keine Anmeldung nötig
  • 40 Kanäle, Notkanal 9 (international)
  • Braucht externe Antenne — ideal fürs Auto oder als Feststation
  • 12V Betrieb — Autobatterie oder Powerstation

Tipp: CB-Funk ist besonders im ländlichen Raum sinnvoll, wo die Distanzen größer sind. Notrufkanal 9 wird auch von Hilfsorganisationen überwacht.

Option 4: Amateurfunk — Das Rückgrat der Notfallkommunikation

Amateurfunk ist das leistungsstärkste Kommunikationsmittel im Katastrophenfall. In jeder großen Krise weltweit waren es Funkamateure, die als Erste wieder kommunizieren konnten — komplett unabhängig von Internet, Mobilfunk und Stromnetz.

  • Reichweite: Regional (UKW, 50–500 km) bis weltweit (Kurzwelle)
  • Unabhängig von jeder Infrastruktur — Strom kommt aus Akku oder Solar
  • Lizenzpflichtig — du brauchst eine Amateurfunkprüfung
  • Kosten: Einsteigergerät ab ~30 € (Handfunke)

Neu seit 2024: Klasse N — der einfachste Einstieg

Seit Juni 2024 gibt es die neue Einsteigerklasse N. Sie macht den Einstieg in den Amateurfunk so einfach wie nie:

  • 3 Bänder: 10 m, 2 m und 70 cm
  • Sendeleistung: bis 10 Watt ERP (10 m) bzw. 6,1 Watt ERP (2 m / 70 cm)
  • Prüfung: 3 × 25 Fragen (Vorschriften, Betrieb, Technik) — deutlich weniger Stoff als Klasse E
  • Lernaufwand: Wenige Wochen Selbststudium reichen
  • Aufstockung möglich: Du kannst jederzeit auf Klasse E oder A erweitern

Zum Vergleich: Klasse E erlaubt höhere Leistungen (75 W) und mehr Bänder, erfordert aber deutlich mehr Technikwissen. Klasse N reicht für den Notfunk vollkommen aus.

Amateurfunk und Notfunk

Der DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) organisiert in ganz Deutschland Notfunkgruppen, die im Katastrophenfall die Behörden unterstützen. Funkamateure stellen Kommunikationsverbindungen her, wenn alle anderen Systeme ausgefallen sind — per Sprache, Daten und sogar Bildübertragung.

So fängst du an:

  1. Kostenlos lernen auf 50ohm.de — die Lernplattform für die Amateurfunkprüfung
  2. Prüfung ablegen bei der Bundesnetzagentur (Klasse N reicht für den Anfang)
  3. Handfunkgerät kaufen für 2 m / 70 cm (ab ~30 €)
  4. Notfunkgruppe finden beim DARC Referat Notfunk — regelmäßige Übungen in deiner Region

Option 5: MeshCore — Verschlüsselte Textnachrichten

MeshCore ist die modernste Option: verschlüsselte Textnachrichten per LoRa-Funk, ohne jede Infrastruktur:

  • Reichweite: 1–15 km direkt, theoretisch unbegrenzt per Mesh
  • Komplett dezentral — kein Server, kein Internet
  • Ende-zu-Ende verschlüsselt (AES-256)
  • Geräte ab ~25 €
  • Extrem stromsparend — tagelang mit kleiner Powerbank

Das Besondere: Jedes MeshCore-Gerät ist gleichzeitig ein Repeater. Nachrichten werden automatisch von Gerät zu Gerät weitergeleitet, bis sie den Empfänger erreichen. In vielen Regionen gibt es bereits Repeater-Stationen, die die Reichweite vervielfachen.

Anleitungen, Hardware-Empfehlungen und Community: HanseMesh.de

Alle Funkgeräte im Detail: Funkgeräte Vergleich

Kommunikationsplan erstellen

Erstelle jetzt einen Plan und bespreche ihn mit deiner Familie:

  • Treffpunkt 1: Naher Ort (z.B. Schule im Stadtteil)
  • Treffpunkt 2: Entfernter Ort (falls Stadtteil nicht erreichbar)
  • Kontaktliste auf Papier — Telefonnummern von Familie, Freunden, Arbeitgeber
  • Funkkanal vereinbaren (wenn PMR-Geräte vorhanden)
  • Sendezeiten festlegen (z.B. jede volle Stunde)

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Häufige Fragen

Funktioniert mein Handy bei einem Blackout?
Mobilfunkmasten haben Notstrom-Akkus, die je nach Anbieter 2-8 Stunden halten. Danach bricht das Mobilfunknetz zusammen. Dein Handy funktioniert dann nur noch für gespeicherte Inhalte und als Taschenlampe.
Was sind PMR-Funkgeräte?
PMR446 ist ein lizenzfreier Funkdienst in Europa. Die Geräte kosten ab 30€ pro Paar und funktionieren ohne Infrastruktur auf Entfernungen von 1-5 km. Ideal für die Kommunikation innerhalb der Familie oder Nachbarschaft.
Was ist MeshCore?
MeshCore ist eine dezentrale Kommunikationsplattform, die per LoRa-Funk Nachrichten über weite Strecken senden kann — komplett ohne Internet, Mobilfunk oder Strom aus der Steckdose. Die Geräte kosten ab 25€.