Stromausfall im Winter — was tun?
Strom weg, Heizung aus, kein Licht — mitten im Winter. Was du in den ersten Stunden tun solltest und wie du dich vorbereitest.
Das Szenario
Es ist Dienstagabend im Januar. Du kommst von der Arbeit, draußen sind –5°C. Plötzlich geht alles aus — Licht, Fernseher, Router. Du schaust aus dem Fenster: Die ganze Straße ist dunkel.
Es ist kein normaler Sicherungsausfall. Das Stromnetz ist großflächig gestört.
Was passiert in den nächsten Stunden — und was solltest du jetzt tun?
Die ersten 30 Minuten
1. Orientierung schaffen
Erstmal durchatmen. Dann:
- Taschenlampe holen — nicht das Handy als Licht nutzen, das braucht den Akku noch
- Sicherungen prüfen — wenn nur bei dir dunkel ist, liegt es an deiner Elektrik
- Blick aus dem Fenster — ganze Straße dunkel? Dann ist es großflächig
2. Informationen beschaffen
Dein Router ist aus, also kein WLAN. Mobilfunk funktioniert vielleicht noch kurz.
- Kurbelradio einschalten — DAB+/UKW-Radio ist jetzt deine wichtigste Informationsquelle. Behörden senden Notfalldurchsagen über Rundfunk
- Handy in den Energiesparmodus — WLAN, Bluetooth, GPS aus. Display-Helligkeit runter
- NINA/KATWARN prüfen, solange Handynetz noch steht — dort kommen offizielle Warnungen
3. Handy-Akku sichern
Dein Smartphone ist jetzt Kommunikationsmittel, Nachrichtenzentrale und Taschenlampe in einem. Geh sparsam damit um.
- Powerbank anschließen — eine gute 20.000-mAh-Powerbank lädt dein Handy 4–5x voll
- Nur das Nötigste nutzen — keine Videos, kein Social Media, kein Doom-Scrolling
- Flugmodus aktivieren, wenn du gerade nichts empfangen musst — spart enorm Akku
Die erste Nacht
Heizung fällt aus — und jetzt?
Egal ob Gas, Öl oder Fernwärme: Deine Heizung braucht Strom für Steuerung und Pumpen. Ab jetzt wird es langsam kälter.
Sofortmaßnahmen:
- Einen Raum zum Aufenthaltsraum machen — idealerweise ein kleiner, innenliegender Raum
- Türen zu anderen Räumen schließen — weniger Volumen = weniger Wärmeverlust
- Fenster und Türritzen abdichten — Handtücher, Decken, Kissen
- Warme Kleidung anziehen — Zwiebelprinzip: Funktionsunterwäsche, Fleece, Jacke, Mütze, dicke Socken
Mehr Details findest du in unserem Ratgeber Heizen ohne Strom.
Kochen ohne Strom
Du hast Hunger. Der Herd geht nicht. Auch die Mikrowelle nicht.
Ein Campingkocher mit Gaskartuschen löst das Problem. Wasser kochen für Tee, Suppe oder Fertiggerichte — das geht in Minuten. Aber: Campingkocher nur in gut belüfteten Räumen nutzen (Fenster kippen), nie in geschlossenen Räumen ohne Luftzufuhr.
Kein Campingkocher? Dann jetzt kalt essen — Brot, Konserven, Nüsse, Obst. Nicht ideal, aber funktioniert.
Mehr dazu im Ratgeber Kochen ohne Strom.
Kühlschrank und Gefriertruhe
- Türen geschlossen lassen — ein voller Kühlschrank hält 4–6 Stunden, eine Gefriertruhe bis zu 48 Stunden
- Im Winter: Balkon als Kühlschrank nutzen — verderbliche Lebensmittel nach draußen stellen
- Aufgetaute Tiefkühlware innerhalb von 24 Stunden verbrauchen oder draußen gefrieren lassen
Tag 2 und 3: Der Stromausfall dauert an
Jetzt wird es ernst. Das Handynetz ist wahrscheinlich auch ausgefallen. Tankstellen funktionieren nicht. Kartenzahlung geht nicht.
Wasserversorgung
In vielen Gebieten fällt bei längerem Stromausfall auch die Wasserversorgung aus — die Wasserwerke brauchen Strom für ihre Pumpen. In Hochhäusern ab dem 3. oder 4. Stock kommt schon nach wenigen Stunden kein Wasser mehr.
- Badewanne voll laufen lassen, solange noch Wasser kommt — als Brauchwasser (Toilettenspülung, Waschen)
- Trinkwasservorrat nutzen — BBK empfiehlt 2 Liter pro Person pro Tag
- Wasserfilter als Backup — damit kannst du Regenwasser oder Bachwasser trinkbar machen
Mehr zum Thema in unserem Ratgeber Trinkwasser in der Krise.
Kommunikation ohne Internet
Ohne Strom kein Router, ohne Sendemasten kein Handynetz. Wie erreichst du Familie und Nachbarn?
- Kurbelradio für offizielle Informationen — Behörden senden über UKW/DAB+
- PMR-Funkgeräte für Kommunikation mit Nachbarn und Familie in der Umgebung — lizenzfrei, bis 10 km Reichweite
- Persönlich vorbeigehen — klingt altmodisch, funktioniert aber zuverlässig
Mehr dazu im Ratgeber Kommunikation ohne Internet.
Bargeld
Kartenzahlung funktioniert nicht. Geldautomaten auch nicht. Bargeld ist King. Die Bundesbank empfiehlt, immer einen Notvorrat von 200–500 € in kleinen Scheinen zu Hause zu haben.
Nach dem Stromausfall
Der Strom ist zurück. Was jetzt?
- Kühlschrank prüfen — alles was länger als 4 Stunden ungekühlt war, entsorgen
- Gefriertruhe prüfen — teilweise aufgetaute Ware nicht wieder einfrieren
- Heizung hochfahren — Thermostate kontrollieren, langsam aufheizen
- Vorräte auffüllen — Gaskartuschen, Batterien, Wasservorrat
- Lehren ziehen — was hat gefehlt? Was hat funktioniert?
Checkliste: Vorbereitung auf Stromausfall im Winter
Licht & Information:
- Taschenlampe mit Ersatzbatterien
- Kurbelradio (DAB+/UKW)
- Kerzen + Streichhölzer/Feuerzeug
- Reservebatterien
Strom & Laden:
- Powerbank (mindestens 20.000 mAh)
- Solarpanel (faltbar, für tagsüber)
Wärme:
- Warme Schlafsäcke (Komfortbereich 0°C oder kälter)
- Isomatte
- Wolldecken (2–3 pro Person)
- Thermounterwäsche
Kochen & Wasser:
- Campingkocher mit Kartuschen (mindestens 6 Stück)
- Trinkwasservorrat (2 Liter pro Person pro Tag, für 3 Tage)
- Wasserfilter
- Konserven und haltbare Lebensmittel
Kommunikation:
- PMR-Funkgeräte (für Familie/Nachbarn)
Sonstiges:
- Bargeld (200–500 € in kleinen Scheinen)
- Erste-Hilfe-Set
- Medikamente für 2 Wochen
- Wichtige Dokumente in einer Mappe
Die vollständige Liste findest du in unserer Blackout-Checkliste und der Krisenvorsorge-Checkliste.
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