Sturmwarnung: was du vor, während und nach dem Sturm tun solltest

Amtliche Sturmwarnung erhalten? Was du in den letzten Stunden vorher sicherst, wie du dich während des Sturms verhältst und was danach zu beachten ist.

Das Handy vibriert, die Warn-App zeigt eine amtliche Warnung vor schweren Sturmböen. So geschah es zuletzt bei einer Lage, die Teile von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Berlin betraf – mit Böen zwischen 75 und 100 km/h in exponierten Lagen und Hinweisen auf umstürzende Bäume und herabfallende Gegenstände. Solche Warnungen laufen in Deutschland mehrmals pro Jahr, im Winterhalbjahr gehäuft. Die Frage ist also weniger, ob dich eine trifft, sondern was du in den zwei bis zwölf Stunden zwischen Warnung und Sturm sinnvoll erledigst.

Die letzten Stunden vor dem Sturm

Die meiste Arbeit findet draußen statt – und zwar, solange der Wind noch nicht da ist. In der Reihenfolge:

  • Lose Gegenstände sichern. Gartenmöbel, Sonnenschirme, Mülltonnen, Blumenkästen, Trampoline, Fahrräder, Pavillons. Alles, was ein Mensch anheben kann, kann auch der Wind anheben. Was sich nicht unterstellen lässt, wird festgezurrt oder flach hingelegt.
  • Markisen einfahren, Rollläden schließen. Eine ausgefahrene Markise ist ein Segel. Geschlossene Rollläden halten im Ernstfall Splitter zurück, wenn eine Scheibe getroffen wird.
  • Fenster und Türen prüfen. Auch Dachfenster und Kellerschächte. Gekippte Fenster reißen bei Böen aus dem Beschlag.
  • Baustellen und Provisorien abbauen. Gerüste, Planen, Zeltdächer, Leinwände, Bühnenaufbauten. Die Behörden nennen das regelmäßig als ersten Punkt, weil hier die schwersten Schäden entstehen.
  • Auto umparken. Weg von Bäumen, Baustellen und Altbaufassaden, wenn möglich in Garage oder Tiefgarage.
  • Termine verschieben. Waldspaziergang, Gartenarbeit, Dachrinnenreinigung – alles, was nach draußen führt, lässt sich um einen Tag verschieben.
  • Geräte laden. Handy, Powerbank, Taschenlampen. Bei Sturmlagen fällt regelmäßig der Strom aus, weil Leitungen von Ästen getroffen werden.

Das dauert zusammen selten länger als eine Stunde. Wer diese Stunde investiert, hat die häufigsten Sturmschäden am Haus bereits abgeräumt.

Was die Warnstufen tatsächlich bedeuten

Der Deutsche Wetterdienst arbeitet mit vier Warnstufen: Wetterwarnung (gelb), markante Wetterwarnung (orange), Unwetterwarnung (rot) und Warnung vor extremem Unwetter (violett). Dazu kommt die Vorabinformation, die bis zu 48 Stunden vorher auf eine mögliche Unwetterlage hinweist, ohne schon eine Warnung zu sein.

Bei Wind hängt die Stufe an der erwarteten Spitzenböe. Windböen ab Windstärke 7, Sturmböen ab 8, schwere Sturmböen ab 10, orkanartige Böen ab 11, Orkanböen ab 12. Wichtig ist der Unterschied zwischen Dauerwind und Böe: Eine Warnung vor Böen von 100 km/h bedeutet nicht, dass drei Stunden lang 100 km/h wehen. Sie bedeutet, dass einzelne Spitzen diesen Wert erreichen können – und eine einzige solche Spitze reicht, um einen Ziegel zu lösen.

Ebenso wichtig ist der Geltungsbereich. Warnungen werden auf Gemeindeebene ausgegeben, oft mit dem Zusatz "oberhalb 1000 m" oder "in exponierten Lagen". Wenn du im Tal wohnst und die Warnung sich auf Kammlagen bezieht, betrifft sie dich anders als jemanden auf dem Berg. Der Warntext sagt das ausdrücklich – er ist es wert, gelesen und nicht nur überflogen zu werden.

Warnungen erreichen dich über mehrere Wege parallel: die Apps NINA und WarnWetter, Cell Broadcast direkt aufs Handy ohne App, Radio und Fernsehen sowie in vielen Kommunen Sirenen. Ein Kanal allein genügt nicht. Cell Broadcast setzt Mobilfunk voraus, Apps brauchen Akku und Netz. Ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio arbeitet unabhängig von beidem.

Während des Sturms

Die einfachste Regel: drinnen bleiben. Der überwiegende Teil der Verletzungen bei Sturmlagen entsteht im Freien durch herabfallende Äste, Dachziegel, Bauteile und Schilder – oder dadurch, dass jemand während des Sturms versucht, einen bereits entstandenen Schaden zu beheben.

Konkret:

  • Kein Aufenthalt in Wäldern, Parks und Alleen. Auch nicht am Rand.
  • Nicht aufs Dach, nicht auf die Leiter, keine Reparaturversuche bei laufendem Sturm. Ein loses Blech kostet ein paar hundert Euro, ein Sturz vom Dach deutlich mehr.
  • Abstand zu Fassaden, Gerüsten und Baustellen halten, falls du doch draußen bist.
  • Im Haus Abstand zu großen Fensterflächen. Bei Unwetterwarnung sind innen liegende Räume die ruhigere Wahl.
  • Fällt der Strom aus: Netzbetreiber informieren, die Störungsnummer steht auf der Stromrechnung. Der Netzbetreiber ist nicht identisch mit deinem Stromanbieter.
  • Notruf 112 nur bei tatsächlicher Gefahr für Menschen. Ein umgestürzter Baum im eigenen Garten ist kein Notruf-Fall.

Fährst du, wenn es unterwegs losgeht: Geschwindigkeit deutlich reduzieren, Waldstrecken und Brücken meiden, und wenn möglich auf einem Parkplatz abseits von Bäumen warten. Seitenwindböen treffen besonders beim Verlassen von Waldstücken, Tunneln und Unterführungen, wo die Abdeckung plötzlich endet.

Nach dem Sturm

Warte, bis die Warnung ausläuft, bevor du den Schaden aufnimmst. Abziehende Sturmtiefs bringen oft eine zweite Böenphase aus anderer Richtung – im Beispiel oben drehte der Wind von Südwest auf Nordwest.

Danach: Dokumentiere Schäden mit Fotos, bevor du aufräumst. Melde Gebäudeschäden zügig deiner Wohngebäudeversicherung, Schäden am Hausrat der Hausratversicherung, Schäden am Fahrzeug der Teilkasko. Alle Verträge verlangen, dass du den Schaden unverzüglich anzeigst und weiteren Schaden nach Möglichkeit abwendest, etwa durch eine provisorische Abdeckung. Bewahre Rechnungen für Notmaßnahmen auf.

Prüfe außerdem die Dinge, die man nach einem Sturm leicht übersieht: angerissene Äste, die noch in der Krone hängen, verschobene Ziegel, lose Bleche, beschädigte Antennen. Beauftrage dafür einen Fachbetrieb, statt selbst aufs Dach zu steigen.

Was du vorher besorgt haben solltest

Sturm bedeutet für die meisten Haushalte keine Versorgungskrise, sondern einige Stunden ohne Strom und mit eingeschränkter Mobilität. Die Ausrüstung dafür ist überschaubar:

  • Licht. Mindestens eine Taschenlampe pro Person, dazu eine Stirnlampe, wenn du im Dunkeln mit beiden Händen arbeiten willst. Kerzen sind bei Sturm die schlechtere Wahl, weil Zugluft durch undichte Fenster die Flamme bewegt. Eine Übersicht findest du im Taschenlampen-Vergleich.
  • Ein netzunabhängiges Radio. Kurbelradios empfangen Warnhinweise auch dann, wenn Strom und Mobilfunk ausgefallen sind. Viele Modelle laden nebenbei das Handy.
  • Geladene Energiereserve. Eine Powerbank mit ausreichender Kapazität hält das Telefon über einen mehrstündigen Ausfall hinweg erreichbar – vorausgesetzt, sie ist tatsächlich geladen. Zweimal im Jahr prüfen genügt.
  • Erste Hilfe. Schnittverletzungen beim Aufräumen sind der häufigste Sturmschaden am Menschen. Ein vollständiges Set gehört ins Haus, nicht nur ins Auto; siehe Erste-Hilfe-Sets im Vergleich.
  • Etwas Vorrat ohne Kühlung und ohne Kochen. Das BBK empfiehlt einen Vorrat für zehn Tage. Für Sturmlagen reicht in der Regel deutlich weniger, aber lagerfähige Lebensmittel, die ohne Strom auskommen, nehmen dir die Frage ab, ob der Supermarkt geöffnet hat. Eine Einordnung gibt die Übersicht zu Notnahrung.

Fällt der Strom länger als ein paar Stunden aus, greifen die Überlegungen aus dem Ratgeber Stromausfall im Winter – dort geht es um Wärme, Kommunikation und die Reihenfolge der ersten Schritte.

Wie wahrscheinlich ist das?

Sturmwarnungen gehören in Deutschland zum Normalbetrieb. Der Deutsche Wetterdienst gibt sie jedes Jahr in vier- bis fünfstelliger Zahl heraus, mit klarem Schwerpunkt zwischen Oktober und März. Warnungen vor Sturmböen und schweren Sturmböen treffen in einem durchschnittlichen Winter große Teile der Nordhälfte Deutschlands sowie die Mittelgebirge und Alpen mehrfach. Dass dich eine solche Warnung betrifft, ist also nicht unwahrscheinlich, sondern absehbar.

Gleichzeitig gilt: Die allermeisten dieser Lagen verlaufen ohne Personenschaden und ohne Schaden am eigenen Haus. Was dabei tatsächlich passiert, sind lose Ziegel, umgewehte Mülltonnen, blockierte Straßen, ausgefallene Bahnverbindungen und lokale Stromausfälle von Minuten bis Stunden. Schwere Orkanlagen mit flächigen Schäden sind deutlich seltener – sie kommen vor, aber nicht jedes Jahr und nicht überall.

Daraus folgt eine nüchterne Konsequenz. Sturmvorsorge ist kein Projekt, sondern eine Stunde Arbeit vor der Lage und eine Handvoll Gegenstände, die ohnehin im Haushalt sinnvoll sind. Wer Gartenmöbel sichert, das Handy lädt und weiß, wo die Taschenlampe liegt, hat den realistischen Fall abgedeckt. Alles darüber hinaus ist eine Frage der eigenen Lage – Waldrandgrundstück, altes Dach, Höhenlage – und nicht der allgemeinen Bedrohung.

Häufige Fragen

Ab welcher Windstärke spricht man von Sturm?
Die Beaufort-Skala ordnet Windstärke 8 als stürmischen Wind ein (62 bis 74 km/h), Windstärke 9 als Sturm (75 bis 88 km/h) und Windstärke 10 als schweren Sturm (89 bis 102 km/h). Ab 103 km/h gilt orkanartiger Sturm, ab 118 km/h Orkan. Der Deutsche Wetterdienst warnt in der Regel nicht vor dem Dauerwind, sondern vor einzelnen Böen, die deutlich stärker ausfallen können.
Was bedeutet eine Warnung vor schweren Sturmböen?
Schwere Sturmböen entsprechen Windstärke 10, also etwa 89 bis 102 km/h. In dieser Größenordnung brechen Äste, lösen sich Dachziegel und einzelne Bäume können umstürzen, vor allem bei durchweichtem Boden. Die Warnung gilt oft nur für bestimmte Höhenlagen oder Küstenabschnitte – der genaue Geltungsbereich steht im Warntext.
Zahlt die Versicherung Sturmschäden am Haus?
Schäden am Gebäude durch Sturm sind in der Wohngebäudeversicherung üblicherweise ab Windstärke 8 gedeckt, Schäden an Möbeln und Geräten über die Hausratversicherung. Schäden am eigenen Auto durch umstürzende Bäume fallen unter die Teilkaskoversicherung. Lies deine Police im Detail, die Bedingungen unterscheiden sich.
Darf ich während einer Sturmwarnung Auto fahren?
Ein Fahrverbot gibt es nicht, aber Fahrten sollten auf das Nötige beschränkt werden. Besonders heikel sind Brücken, Autobahnabschnitte in offener Landschaft, Waldstrecken und das Überholen von Lkw und Wohnwagen. Reduziere die Geschwindigkeit deutlich und halte beide Hände am Lenkrad.
Wer räumt einen umgestürzten Baum weg?
Auf öffentlichen Straßen und Wegen ist die Feuerwehr oder der zuständige Straßenbetrieb dafür da. Auf dem eigenen Grundstück bist du selbst verantwortlich. Liegt der Baum auf einer Stromleitung, gilt in jedem Fall: Abstand halten und den Netzbetreiber oder die Feuerwehr über 112 informieren, nie selbst Hand anlegen.